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Autor Thema: Was motiviert Jugendliche zum Glauben?  (Gelesen 2344 mal)
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Muse
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« am: 08. Februar 2007, 03:00:18 »

Jugendgottesdienste, "Teenkreise" und andere religiöse Jugendveranstaltungen werden von Jugendlichen immer besser angenommen. Organisatoren sind neben den großen Kirchen häufig freikirchliche Gemeinden. Viele Teenager entscheiden sich für ein "Leben mit Gott", mit allem was dazu gehört, selbst wenn es den gängigen Überzeugungen, was "cool" ist, widerspricht. Glaube wird zum Trend. Was ist die Motivation?
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Anaxandra
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« Antwort #1 am: 08. Februar 2007, 22:34:20 »

ich denke, jugendliche heute suchen halt.
das ist wahrscheinlich die pauschalantwort die immer gegeben wird, aber ich würde sagen, das ist tatsächlich so.
die welt da draußen ist so groß und undurchsichtig. wenn ich mir vorstelle, ich wäre für alles, was ich habe (eine familie, meine rechte, die möglichkeit zur schule zu gehen, freunde...) nur selbst verantwortlich und ginge tatsächllich im endeffekt vollkommen alleine durchs leben, da hätte ich ja garnichts mehr, woran ich mich festhalten kann, das mir kraft gibt.
aber im vertrauen, da geht einfach alles so viel einfacher. und ich denke, diese erfahrung machen viele junge menschen.
bei jugendgottesdiensten in freien gemeinden ist ja auch echt viel los, da passiert auch einfach mehr für junge leute als in den landeskirchen, naja, zumindest organisiert die FeG hier in meiner nähe echt eine menge. man findet dort dann auch eine gemeinschaft von jugendlichen. sie haben teilweise andere ansichten als die landeskirchen und die (wenn sie gegen die gleichberechtigung homosexueller sind etc) lassen sich teilweiße auch nicht so ganz mit meinen vereinen , aber das ist wohl auch nicht der primäre grund jugendgottesdienste zu besuchen.
und ist es denn tatsächlich noch so, dass man bei jungen leuten als "uncool" verschrien ist, wenn man zu solchen veranstaltungen geht? mir kommt es fast so vor als sei in der toleranten welt heute fast alles "erlaubt" cool zu finden, solange man nach wie vor mit den anderen spaß haben kann.
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« Antwort #2 am: 09. Februar 2007, 02:07:47 »

Denke auch. In gewissen Kreisen ist zwar immernoch "uncool", in anderen wiederrum ist es "uncool" es "uncool" zu finden.

Spätestens seit gewisse Deutsche Rapper über die Bedeutung von Gott in ihren Texten rappen oder in Lyrics berichten manifestiert sich dieser Trend denke ich auch in vorher untypischen Bevölkerungsschichten.

Trotzallem würde ich sagen ist der wichtigste Grund der bereits erwähnte: Die Suche nach Sinn. Die Suche nach Halt. Ohne den Glauben an einen Gott neigen viele Menschen dazu, mit Problemen schwerer fertig zu werden, sich alleine zu fühlen oder gar depressiv zu werden. Simpel: Unglücklich zu sein. Jugendliche hingegen, die einen festen Glauben haben, gehen in der Regel weitaus selbstbewusster durch das Leben und fürchten sich weniger vor Problem und Rückschlägen, denn man weiss: Gott ist bei mir. Dieses Wissen gibt vielen Kraft, und jeder der das gespürt hat oder versteht, versteht denke ich am Besten, warum viele Jugendliche anfangen wieder an Gott zu glauben, selbst wenn (oder sogar deshalb!) sie den Glauben nicht seit der Geburt eingetrichtert bekommen haben.



Trotzallem wäre ich vorsichtig von einer allgemeinen Bewegung "Hin zum Glauben" zu reden. In vielen Bevölkerungsschichten herscht hier immernoch Ebbe bishin zur Ablehnung. Andere umgehen das Thema lieber.
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« Antwort #3 am: 10. Februar 2007, 19:55:58 »

Ich war lange Zeit recht zwiegespalten in Puncto Gott und konnte für mich selbst nicht sagen, ob ich nun (ganz allgemein) an die Existenz einer höheren Macht glauben soll/kann. Die Suche nach dem Sinn hat mich dann dazu bewegt, die Idee 'Gott' fallen zu lassen. Am Ende seiner Suche nach dem Sinn ist man doch eigentlich auch nicht schlauer als vorher - nur enttäuschter. Die Suche nach dem Sinn endet - wenn sie überhaupt endet - an dem Punkt der Resignation. Es bleiben die Möglichkeiten: kein Sinn, weitersuchen oder eben auch Gott.
Ich glaube, dass ich mich für 'weitersuchen' entschieden habe, in jedem Fall habe ich für mich selbst keinen Grund gesehen, mich für Gott zu entscheiden. Die Entscheidung 'kein Sinn' wird ein Mensch für gewöhnlich garnicht treffen können/wollen, denn es würde jedem Weiterleben widersprechen. So wird die Suche nach dem Sinn zu einer Suche, in der man wohl nie erfolgreich sein kann.
Wie oben schon beschrieben mag man in seiner Suche irgendwann resignieren, einem Leben ohne Sinn entfliehen wollen und sich an dieser Stelle für Gott entscheiden.
Gott ist dann sozusagen der (neben Suicid) einzige Fluchtweg aus dem ewigen Sinn-Cirkel. Gott ist dann die Möglichkeit zu sagen: ich will nicht mehr weitersuchen. Gott ist dann die Trotztentscheidung gegen die Suche - vielleicht auch gegen den Sinn. Gott ist dann der Punkt an dem man sagen kann "Ätsch - es gibt doch einen Sinn, nur muss ich nicht nach ihm suchen."
Gott ist dann eine sehr gemütliche Angelegenheit: Man kann die Hände in den Schoß legen, biblische Doktrinen konsumieren und den anderen zusehen, wie sie sich auf der Suche nach dem Sinn abmühen.
Und das Beste ist: Vernachlässigt man die zeitliche Begrenztheit des menschlichen Daseins, so glauben irgendwann alle an Gott.

So gesehen ist der Weg zu Gott zwar tatsächlich die Suche nach dem Sinn - Gott selbst aber das Gegenteil davon.


ps: Eine kleine Provokation meinerseits. Natürlich kann ich nicht belegen, dass Gott nicht doch der Sinn des Lebens ist (andersherum funktioniert das aber auch nicht Zunge). Aber das ist ja gerade der Trick bei Gott^^
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der dave
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« Antwort #4 am: 11. Februar 2007, 21:23:21 »

m.E. nach wie vor die Erziehung. nicht allein entscheidend, aber maßgeblich.
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« Antwort #5 am: 11. Februar 2007, 23:55:11 »

egal wir christlich man erzogen wird, irgendwann im leben kommt immer der punkt an dem man sich bewusst für oder auch gegen den glauben entscheidet.
dass man als grudschüler erstmal alles übernimmt ist wohl richtig aber dann beginnt die   
zeit in der man seine eigenen werte sucht und alles was man von den eltern übernommen hat neu und teilweiße auch bewusst überdenkt.
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« Antwort #6 am: 12. Februar 2007, 00:09:44 »

für mich ist gott nicht die möglichkeit zu sagen "ich will nicht mehr weitersuchen" sondern der anlass zum "ich habe ihn gefunden, den sinn, und er war die ganze zeit bei mir." gott ist kein lückenfüller und auch kein riesiger virtueller mülleimer in den all das geworfen wird, das man nicht beantworten kann und das einen sonst verrückt machen würde. auch nichts das ich mir als eine art notlösung für den fall das ich mich mal einsam fühle warm halte. wenn man gott für sich und sein leben gefunden hat dann beantworten sich all diese fragen nach und nach von alleine. wenn man mit ihm lebt dann verbringt man doch zeit mit ihm, auch wenn man nicht gerade "sowieso" einsam ist. durch ihn kann man das leben und all die menschen mit anderen augen sehen und er kann uns helfen das leben so anzunehmen, wie es ist.

das ist zumindest meine auffassung von der ganzen sache. wie du schon sagst, luca, kann ich das natürlich nicht beweisen, aber ich schätze das ist wohl auch nicht nötig, seine eigene wahrheit fühlt jeder in sich selbst.
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« Antwort #7 am: 12. Februar 2007, 02:00:09 »

Anaxandra brauch ich diesbezüglich nichts hinzuzufügen, seh ich auch so :-)

Diese Theorie des gemütlichen "Lückenfüllers Gott" habe ich ja nun öfter mal hören müssen ^^, und in der Tat, lässt sich genauso wie das Gegenteil natürlich nicht "wissenschaftlich" verifizieren oder falsifizieren. Jetzt ist natürlich die Schlussfolgerung, dass man diesen Diskurs nur schwer auf einer solchen rationalen Basis führen kann.

Man muss etwas mehr in die emotionale gehen. Menschen sind ja in der Regel auch emotional, und das ist denke ich auch hier der Punkt, welcher für einen Weg mit oder ohne Gott entscheidet: Das Gefühl. Dieses Gefühl wird natürlich wie oben bereits erwähnt maßgeblich von der Beziehung erstmal beeinflusst, aber irgendwann denke ich, verflaut dieser Einfluss bis er dann ganz abnimmt. Da jetzt aber scheinbar viele zu anderen Ergebnissen auf diese Frage kommen, ist es natürlich essentiell zu wissen, warum.

Du luca sagst, dass dein Problem ist, dass Gott für dich quasi kein Sinn ist und ergo mit dieser Antwort einfach nicht zufrieden bist. Hört sich für mich aber alles etwas so aus der Luft gegriffen an, als ob man Gott jetzt einfach mal so erfinden würde.
Damit ignoriert man ja historische Ereignisse und Entwicklungen (Jesus, Mohamed,..) sowie für dich interessanter womöglich physikalische Tatsachen (End- bzw Unendlichkeit des Universums). Denke für viele, die sich eben auf die Suche begeben, wie du es gesagt hast, würden eher zu einem Schluss FÜR Gott kommen, da eben - ironischerweise rein rational betrachtet - mehr für als gegen ihn spricht.

Um den Kreis zu schließen: In der heutigen Gesellschaft ist ja eher eine Abkehr von der Religion (weshalb der Grund in der Erziehung er weniger zu suchen ist) festzustellen, was jedoch dazu führt, dass sich immer mehr Jugendliche eben doch diese Fragen stellen: Warum das alles?
Dann kommt oben beschriebener Prozess in Gang.
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« Antwort #8 am: 12. Februar 2007, 12:41:39 »

Ich sehe nicht, warum aus der Perspektive des Sinnsuchenden mehr für als gegen Gott sprechen soll.
Auf emotionaler Basis stimme ich dir zu - das wäre dann (u.U.) das, was ich oben als Resignation bezeichnet habe. Natürlich steckt in der christlichen Lehre noch weit mehr emotional Schönes und Ergiebiges - das schmeichelt dem Gläubigen und auch dem Suchenden natürlich. Und so können anheimelnde Werte wie Nächstenliebe eine Art Triebfeder darstellen, die einen zur Entscheidung an Gott zu glauben führen mögen. Aber dann würde die Entscheidung nicht mehr vor dem Hintergrund der Sinnsuche getroffen. Dass solche Werte mit Gott verbunden werden schließt außerdem nicht aus, dass man sie auch ohne Gott erleben kann.
Auf rationaler Basis (und davon hattest du ja gesprochen) gibt es meiner Meinung nach nichts, was für Gott spricht. Wie schließlich kann ich Indizien finden, die für die Existenz von jemandem sprechen, der sich dadurch auszeichnet, dass es keine Indzien gibt, die auf ihn hinweisen. Sicherlich werdet ihr mir hier widersprechen, darum an dieser Stelle ein kleines Beispiel.
Ich erinnere mich an einen Vergleich aus dem Kommunionsunterricht: Mit Gott ist es wie mit einer Radiowelle. Man kann sie nicht sehen, man kann sie nicht fühlen, man kann sie (die bloße Elektromagnetische Welle) nicht sinnlich wahrnehmen. Aber wenn man das Radio einschaltet, dann zeigt sie dennoch ihre Wirkung. Ebenso ist es mit Gott.
Aber wo zeigt Gott seine Wirkung? Ich würde mal behaupten, dass man sein Schaffen sinnlich wahrnehmbar (also empirisch, nicht emotional) nirgendwo antreffen kann. Gottes Wirkung manifestiert sich für meine Augen und Ohren wahrnehmbar eigentlich höchstens in dem Glauben anderer Menschen, die nach diesem Glauben handeln. Es gibt also andere Menschen, die an Gott glauben. Jedoch ist meine Frage ja gerade die, ob der Glaube an Gott ein Glaube an etwas ist, was es gibt, oder nicht. Handelt es sich also nur um eine Wirkung des Glaubens (ohne dass etwas dahinter steckt) oder um eine Wirkung Gottes. Gleiche Ratlosigkeit wie vorher.
Es gibt physikalische Phänomene wie den Urknall, wo unsere Wissenschaft in Erklärungsnot kommt. Aber an solchen Stellen mit der Erklärung Gott anzusetzen halte ich für wenig aufschlussreich, dadurch auf seine Existenz zu schließen für unbegründet. Natürlich kann man beim Urknall sagen: "Wenn es etwas wie Gott gäbe, dann könnte er eine Erklärung für diesen Beginn allen Seins sein." In dieser "Falls-es-ihn-gibt"-Aussage ist über seine Existenz aber keinerlei Aussage getroffen.

Ergo: Es sprciht nichts für die Existenz Gottes. Ganausowenig natürlich spricht etwas dagegen. (Aber wie sollte auch?)
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« Antwort #9 am: 14. Februar 2007, 00:54:20 »

Mh, sehe ich teils etwas anders.

Erstmal, du bist katholisch? ^^ Oder wie kamst du in den Kommunionsunterricht?

Zitat
Aber wo zeigt Gott seine Wirkung? Ich würde mal behaupten, dass man sein Schaffen sinnlich wahrnehmbar (also empirisch, nicht emotional) nirgendwo antreffen kann. Gottes Wirkung manifestiert sich für meine Augen und Ohren wahrnehmbar eigentlich höchstens in dem Glauben anderer Menschen, die nach diesem Glauben handeln.
Das liegt natürlich im Augenwinkel des Betrachters. Für Gläubige zeit Gott überall physikalisch seine Wirkung bzw sich selbst. Ist es in der Liebe zu einem Menschen, ist es in der Schönheit der Natur, ist es in der Unendlichkeit der Sterne. Während der Rationalist hier jeweils lieber die Beschaffung der Atome und Teilchen sieht, ist für den Gläubigen jenes die physikalische Manifestation Gottes - wenn du so willst. Somit ist die Aussage "Gott zeigt nirgends seine Wirkung" bereits eine voreingenommene Interpretation - ebenso wie es die Gegenaussage ist.

Bezüglich des Urknalls: Die Antwort "Das war Gott" ist denke ich nicht ganz so weit hergeholt, wie du es hier darstellst. Ist nicht das Gleiche, wie wenn ein Sack Reis in China umfällt und ein Pfarrer sagt, es sei Gott gewesen. Der Urknall führt nämlich hin zu einer anderen Dimensionstiefe der Fragestellung.

So geht es da um nichts anderes als die simple Frage: Was war vorher? Äquivalent zur Frage: Wo endet das Universum? Was kommt danach?
Bei diesen Fragen geht es nicht um ein physikalisches Phänomen in erster Reihe (hier der Urknall), sondern der Konfrontation mit etwas, was die Menschen aufgrund der physikalischen Endlichkeit dieser Erde nur schwer begreifen kann: Die Unendlichkeit.

Dieses Phänomen, das Begreifen, dass es eben Unendlichkeit gibt, ja geben muss (rational betrachtet!, denn was wäre die Alternative?). Und dieser Gedanke lässt dann letztlich in der Kausalkette zu Gott selbst führen.
Somit ist Gott hier keineswegs ein "simpler" Lückenfüller, denke ich.

Und bei der Frage des Urknalls. Die Frage hat ja eine etwas ande
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