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Autor Thema: Heirat - Bald Relikt der Vergangenheit?  (Gelesen 3945 mal)
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towmac
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« am: 02. Februar 2007, 03:34:40 »

Ich habe letztens eine junge Frau (24) gefragt, ob sie denn schon ans Heiraten gedacht hat. Zu meiner Verblüffung war sie schockiert. Sie möchte nicht heiraten, hieß es. Sie suche lediglich einen Lebensabschnittsgefährten. Daher fragte ich sie, ob sie es nicht schön finden würde, mit dem Menschen, den sie liebt, per Heirat fest gebunden zu sein. Sie sagte, sie brauche keinen Wisch, der sowas bescheinigen würde.

Ihre Antworten schockierten mich etwas. Ich bin aufgewachsen in dem Glauben, dass der Traum der meisten Menschen (allen vorran Frauen) es sei, mit dem Mann ihres Lebens eine glückliche Ehe zu führen. Das Ehe eine Art Statussymbol sei, welches viele anstreben würden. Doch aktuelle Entwicklungen zeigen, dass die Menschen immer weniger heiraten. Und wenn sie heiraten, dauert die Bindung in der Regel weniger als 10 Jahre. Die Medien sprechen bereits von Lebensabschnittsgefährten.

Ist die Ehe, wie sie die ältere Generation kannte, am aussterben? Wird Ehe nun entgültig zum Mythos? Was sind die Folgen?
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Wie der stille See seinen dunklen Grund in der tiefen Quelle hat, so hat die Liebe eines Menschen ihren rätselhaften Grund in Gottes Licht.
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matondo
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« Antwort #1 am: 03. Februar 2007, 17:23:52 »

Das liegt einfach an der Gesellschaft. Es ist cool & hip möglichst viele GV-Partner o.ä zu haben. (Ich sag nur Sex And The City erzieht euch zu Huren ^^) Und auch an den vielen Scheidungen. Früher war eine Ehe ein Versprechen heute ist es hm..ein Steuervorteil.
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sophia
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So seh ich nicht aus ;-)


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« Antwort #2 am: 04. Februar 2007, 04:22:33 »

Parallel dazu rückt die religiöse Bedeutung einer Heirat immer mehr in den Hintergrund. Im aktuellen Stern? gibt es eine interessante Reportage über die "sexuelle Verwahrlosung der heutigen Jugend". U.a. geht es darum, dass die meisten Jugendlichen zwar mit 11 alle Sexpraktiken kennen aber nicht wissen, was Liebe ist.

Denke hier gibt es auch wieder mehrere Faktoren die hier eine Rolle spielen. Gesellschaftliche Entwicklungen (s.o.), wirtschaftliche Bedeutung(Steuervorteile wie bereits erwähnt) und allgemein eine Tendenz in der Globalisierung: Wenn man erfolgreich sein will, muss man global mobil sein, was äusserst schwer mit einer festen Bindung sein kann.
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Toleranz ist das unbehagliche Gefühl, der andere könnte am Ende doch recht haben.
LuckyLuca
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« Antwort #3 am: 05. Februar 2007, 00:57:19 »

Der Verfall der Ehe wird hier als reiner Nachteil hingestellt. Aber man muss sich auch fragen, warum Ehen früher länger gehalten haben und ob das gezwungenermaßen gut so war. Die Gesellschaft geht heute freier mit partnerschftlichen Bindungen um - so auch der Mensch. Heutzutage darf man unverheiratet eine Beziehung haben, darf sich scheiden lassen. Früher war das verpöhnt.
Man muss nicht mehr heiraten.
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Anaxandra
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« Antwort #4 am: 05. Februar 2007, 20:59:54 »

aber es ist ja trotzallem so, dass christen im allgemeinen sehr viel früher heiraten und ihre scheidungsquote trotzdem niedriger ist. ich meine jetzt aber nicht so christen "auf dem papier" sondern (naja, das führt ja jetzt schon zu der definition was einen christen ausmacht) menschen die vielleicht auch mit gott leben.

da gibt es natürlich auch das andere extrem von solchen paaren die mit 20 jahren heiraten, weil sie keinen unehelichen sex haben dürfen oder wollen, aber solche ehen, wenn sie nur aus dieser motivation heraus geschlossen werden sind ja von vorne herein mehr oder weniger zum scheitern verurteilt.
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towmac
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« Antwort #5 am: 06. Februar 2007, 01:20:17 »

Der Verfall der Ehe wird hier als reiner Nachteil hingestellt. Aber man muss sich auch fragen, warum Ehen früher länger gehalten haben und ob das gezwungenermaßen gut so war. Die Gesellschaft geht heute freier mit partnerschftlichen Bindungen um - so auch der Mensch. Heutzutage darf man unverheiratet eine Beziehung haben, darf sich scheiden lassen. Früher war das verpöhnt.
Man muss nicht mehr heiraten.

Nun ja, aber was sind die Folgen? Was ist mit den Kindern, die keine Eltern haben, die zusammen leben? Was ist mit dem Sozialen-System Deutschlands? Mit der Familie als Rückhalte? Mit der Rente? Mit dem Tradition, dass Kinder später für ihre Eltern sorgen?

Sicherlich, es scheint auch Vorteile zu geben. Kein Stress, sich scheiden zu lassen, wenns nicht klappt bspw. :-) Die Freiheit, sich im Leben immer wieder neu zu entscheiden. Nur die entscheidende Frage ist ja, was hat das für Folgen? Politische und Gesellschaftliche.

@ Anaxandra:
Ich würde dir Recht geben. Die christliche Tradition hat der Ehe schon immer einen besonderen Status eingeräumt. Nicht umsonst handelt es sich um ein Sakrament: Das Sakrament der Ehe. (Bei den Katholiken) Man geht den Bund vor Gott ein. Und was Gott bindet, dann soll kein Mensch trennen. Doch, da gleichzeitig auch die Kirche und Tradition immer mehr an Wert verliert, gerät auch das immer mehr in Vergessenheit...

@ Sophia:
Jo, eine Konsequenzen eben dieser Entwicklung sieht man leider eben in dieser "neuen" Jugend. Sie hat jedoch leider nicht mehr mit der 68er Bewegung gemein. Es geht nicht mehr um flower power, sex und Liebe. Es geht nur noch um Sex. Umso tabuloser, um so besser.
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Ayesha
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« Antwort #6 am: 07. Februar 2007, 23:49:20 »

@ anaxandra:
warum nennst du es ein extrem mit 20 zu heiraten. meiner erachtens ist ein mensch, der kein unehelichen sex haben möchte religiös veranlagt, hat somit resprekt vor der ehe. warum sollte eine früh geschlossene ehe nicht auch seine guten seiten haben?!
wie bekannt ist, sind menschen mit zunehmenden alter in ihren gewohnheiten festgefahren, und haben schwierigkeiten sich dem partner anzupassen. natürlich trifft es nicht auf jeden zu, aber größtenteils ist es nun mal der fall. ist man jedoch jung und erforscht neue wege, macht immer neue erfahrungen, dann ist es nicht schwer diese mit einem menschen zu machen, den man das ja-wort gibt. denn dieser mensch wird zum besten freund, man motiviert sich gegenseitig und lernt jeden tag neues von einander und über einandern. dieses heranwachsen an einander gibt das gefühl der geborgenheit, man ist nicht mehr auf der suche nach DEN PARTNER, und hat somit mehr zeit sich fürs wesentliche im leben zu kümmern. dieses wesentliche ist für jeden was anderes, das muss jeder für sich selber rausfinden.
lg
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LuckyLuca
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« Antwort #7 am: 08. Februar 2007, 00:42:07 »

@ Anaxandra: Wenn es tatsächlich so ist, dass Ehen gläubiger Christen länger halten, dann kann das auch zeigen, dass der Druck durch die Ehe bei ihnen weit größer ist, als bei anderen. Die Frage ist halt auch: sind sie damit glücklicher?
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Hobbes
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« Antwort #8 am: 08. Februar 2007, 00:56:12 »

Heiraten ist nicht nur heute ein finanzieller Vorteil. "Damals" war die ökonomische Bindung der Frau an den arbeitenden Mann überlebenswichtig, einmal für die Frau und als Entlastung für ihre Familie und auch für den Mann, da die durch die Heirat an ihn gebundenen Kinder ihm als Altervorsorge dienten.
Merke: Tradition und Religion sind vorgeschobene Gründe für etwas ganz anderes.
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« Antwort #9 am: 08. Februar 2007, 02:21:24 »

Ich sehe das genauso wie du, Luca.
Die Gründe dafür, wann und wie Ehen entstehen und warum sie halten sollte man schon miteinbeziehen...

Wenn man sich nämlich überlegt, welche Ehen vor einigen Jahren noch "haltbar" waren (Vergewaltigung in der Ehe ist übrigens noch nicht lange strafbar oder ein zugelassener Scheidungsgrund), kann man sich fragen, ob das wünschenswert ist. Und wenn man sich ehrlich überlegt, ob man der Meinung ist, die eigenen Großeltern haben eine Beziehung, die wir nach unseren heutigen Maßstäben als erfüllend und bereichernd ansehen würden, denke ich, dass man die meisten dieser "haltbaren" Ehen so nicht haben wollen würde. Oder sind sie tatsächlich auch nach 50 Jahren noch inspirierend, anregend, lebendig, flexibel...?
Darüber hinaus waren vor allem Frauen früher in der Wahl ihrer Ehepartner sehr beschränkt. Es war nicht nur so, dass sie für immer an einen Partner gebunden waren, sondern häufig auch so, dass sie ihn sich nicht völlig frei aussuchen konnten - die Vorstellungen, die man da von einer erfüllenden Partnerschaft entwickeln konnte, sind doch sehr beschränkt.
Die Frage ist doch: Aus welchen Gründen erhält man eine Beziehung aufrecht? Sollte man sie aufrechterhalten, wenn die Partner einander betrügen, schlagen, nicht mehr lieben? Ich würde das verneinen - und ich denke, dass die Tatsache, dass es immer weniger Ehen gibt, die lange halten, nur Verhältnisse zum Ausdruck und Vorschein bringt, die schon lange so existieren und bisher immer unterdrückt wurden.
Geschiedene Eltern sind für ein Kind nicht schön - aber sind Eltern, die nicht mehr wissen was Liebe oder Partnerschaft sind, die sich streiten oder gewalttätig werden, denn besser?!
Ich halte es für naiv, zu glauben, mit 20 wisse man schon genau, was man vom Leben will. Während der Schulzeit und des Studiums erlebt man so viele tiefgreifende Veränderungen, dass man vielleicht hinterher ein ganz anderer Mensch geworden ist - der Anderes erwartet. Natürlich können "frühe" Beziehungen funktionieren, und selbstverständlich geht man sie immer in diesem Glauben ein, aber es kann eben auch sein, dass es nach ein paar Jahren nicht mehr passt. Dadurch entwickelt man auch präzisere Vorstellungen davon, was man von einer Beziehung erwartet, denke ich. Und kann verändert und bereichert in eine neue gehen, die vielleicht tatsächlich "ewig" hält.
Was die Ehen religiöser Menschen angeht, die länger halten, so denke ich ähnlich wie Luca: Das hängt auch mit dem Druck zusammen. Einerseits der Druck der Tradition und auch der Religion, die eine Scheidung nicht gutheißt oder unmöglich macht, andererseits auch der Druck der religiösen Gemeinschaft, die geschiedenen Paaren häufig ablehnend gegenüber steht.
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