Jeder kennt die zehn Gebote, die im alten Testament zu finden sind: Eine Reihe von "du sollst"s. Ungefähr so verhält es sich auch mit dem Rest des alten Testaments, in dem sich insgesamt 613 Regeln und Verbote darüber finden lassen, was man machen soll und wie man es tun soll.
In den ersten dreihundert Regeln scheinen also ein Moralkodex plus ein präexistentes GG, BGB und StGB auf. Der Rest beschäftigt sich mit Ritual und Religion, mit Tempel- und Gottesdienst, bis in die allerfeinsten Verästelungen. Aber auch mit der Fruchtfolge auf dem Acker, dem Kriegsrecht (das seinerzeit nicht ganz den Genfer Konventionen entsprach) und der Machtbegrenzung des Monarchen. Interessant für den modernen Menschen: Nicht nur ist Götzendienst tabu, verboten sind auch Zauberei, Astrologie und Geisterbefragung. Und so weiter bis zur Nummer 613.
zitiert aus diesem Artikel (sehr lesenswert):
http://www.zeit.de/2007/08/Religion-HimmelMan kann die heilige Schrisft des Judentums also als eine Art Verfassung ansehen. Diese Erkenntnis macht den jüdischen Glauben für mich viel verständlicher. Vor allem kann man so einsehen, warum sich Juden selbst als 'Volk' bezeichnen und einen säkulären jüdischen Staat gründen können.
Das Judentum ist demnach eine sehr pragmatische Form der Religion. Das ist mir sehr sympathisch
